Kurz nach 09:30 Uhr meldete die Rettungsleitstelle Kärnten einen LKW-Unfall mit einer eingeklemmten Person in Villach auf der Zubringerstraße zum Infineon-Werk.
Seitens der Feuerwehrleitstelle Villach wurden umgehend die Hauptfeuerwache Villach, die FF Judendorf sowie die örtlich zuständige FF St. Perau alarmiert. Aufgrund der räumlichen Nähe rückte auch die Betriebsfeuerwehr Infineon mit einem Kommandofahrzeug zur nahegelegenen Unfallstelle aus.
Am Einsatzort fanden die ersten Einsatzkräfte einen im Führerhaus eingeschlossenen verletzten LKW-Lenker vor. Zusätzlich wurde anhand der Gefahrenkennzeichnung erkannt, dass es sich beim Sattelzug um einen Gefahrguttransport handelte. Aus diesem Grund wurde unverzüglich Vollalarm für die Hauptfeuerwache ausgelöst sowie weitere Kräfte der Betriebsfeuerwehr Infineon nachalarmiert.
Unmittelbar nach dem Eintreffen wurde die Menschenrettung eingeleitet. Teilweise mussten Bäume mittels Motorsägen entfernt werden, um einen besseren Zugang zum Führerhaus zu schaffen. Mithilfe technischer Geräte konnte der Lenker rasch über die Frontscheibe des Fahrerhauses befreit werden. Nach notärztlicher Erstversorgung wurde der Verletzte mit Verletzungen unbestimmten Grades ins LKH Villach eingeliefert.
Nach Sichtung der Frachtpapiere mit den dort aufgelisteten Gefahren- und Stoffnummern konnte festgestellt werden, dass der LKW rund 13.000 Liter verschiedener hochentzündlicher Lösungsmittel in insgesamt 14 einzelnen 1.000-Liter-Behältern geladen hatte, berichtet Einsatzleiter HBI Harald Geissler, Kommandant der Hauptfeuerwache Villach.
Die Ladung war durch den Unfall teilweise ungesichert beziehungsweise verkeilt. Glücklicherweise traten nur geringe Mengen der Stoffe aus. Sofort wurden Trupps mit leichten Chemieschutzanzügen und Atemschutzgeräten eingesetzt, um die ersten Mengen zu binden.
In einer gemeinsam gebildeten Einsatzleitung der Hauptfeuerwache Villach, der FF St. Perau sowie der Betriebsfeuerwehr Infineon wurden die weiteren Maßnahmen abgestimmt. Rund um den LKW wurde ein Sicherheitsbereich eingerichtet und ein umfassender Brandschutz aufgebaut.
Mehrere Trupps, ausgestattet mit säurefesten Schutzanzügen und Atemschutzmasken, mussten die Behälter mittels Hebekissen anheben, um diese anschließend mit dem Feuerwehrkran aus dem Sattelanhänger zu bergen.
Nach telefonischer Rücksprache mit der Chemie-Bereitschaft des Amtes der Kärntner Landesregierung wurden die Behälter geborgen und im nahegelegenen Werk der Firma Infineon gesichert abgestellt.
Bereits ausgelaufene Schadstoffe wurden mittels Chemikalienbindemittel – ebenfalls unter entsprechender Schutzkleidung und Atemschutz – gebunden, so HBI Geissler weiter.
Die Arbeiten mussten bei strahlendem Sonnenschein und knapp 30 Grad Außentemperatur durchgeführt werden. Die eingesetzten Trupps mussten daher im etwa 30-Minuten-Takt ausgetauscht werden.
Während der gesamten Arbeiten wurden laufend Messungen der Umgebungsluft durchgeführt, zumal immer wieder explosive Konzentrationen festgestellt wurden, berichtet Harald Geissler weiter.
Zur Unterstützung wurde außerdem die FF Turdanitsch-Tschinowitsch mit zusätzlichen Atemschutzträgern alarmiert.
Gegen 17:30 Uhr – nach rund acht Stunden schweißtreibender Arbeit – konnte die Bergung der Schadstoffbehälter abgeschlossen werden. Anschließend erfolgte die Bergung des verunfallten Sattelzuges durch ein privates Bergeunternehmen.
Nach insgesamt fast elf Stunden konnte der Einsatz beendet werden und die Feuerwehren, welche mit rund 60 Männern und Frauen im Einsatz standen, rückten wieder einrücken. Im Anschluss mussten noch sämtliche kontaminierten Gerätschaften sowie die eingesetzte Ausrüstung gereinigt werden.
Abschließend darf die ausgezeichnete Zusammenarbeit aller vor Ort befindlichen Einsatzkräfte bei diesem nicht alltäglichen und besonders kräftezehrenden Einsatz hervorgehoben werden.




Quelle: Hauptfeuerwache Villach



