Wenn falsch entsorgte Akkus brandgefĂ€hrlich werden EAK Medienevent │ © EAK

Wenn falsch entsorgte Akkus brandgefÀhrlich werden

Wien (OTS) – AnlĂ€sslich des morgigen „Tages der Batterie“ (18.2.) luden die ElektroaltgerĂ€te Koordinierungsstelle (EAK), das Bundesministerium fĂŒr Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) sowie der Österreichische Bundesfeuerwehrverband zu einem Medientermin der besonderen Art. Auf dem GelĂ€nde der Saubermacher Dienstleistungs AG in Wien-Inzersdorf wurde mittels eines Live-Experiments eindrucksvoll demonstriert, welche zerstörerische Kraft in falsch entsorgten Lithium-Akkus steckt. Im Fokus standen dabei die massiven Gefahren fĂŒr Mensch, Umwelt und die wirtschaftlichen Folgen fĂŒr Entsorgungsbetriebe.

Ob Einweg-E-Zigaretten, Laptops, kabellose Kopfhörer oder elektrische ZahnbĂŒrsten – die sehr leistungsstarken und daher sehr praktischen Lithium-Akkus sind aus dem modernen Alltag nicht mehr wegzudenken. Doch bergen sie auch ein enormes Gefahrenpotential: Laut SchĂ€tzungen der MontanuniversitĂ€t Leoben landen in Österreich jĂ€hrlich rund 3 Mio. StĂŒck Lithium-Batterien im RestmĂŒll statt in der fachgerechten Sammlung – das entspricht rund 2 StĂŒck pro Tonne Abfall. In den nĂ€chsten Jahren könnte sich die Anzahl der im RestmĂŒll befindlichen Lithium-Batterien durch immer mehr AltgerĂ€te auf rund 6 Mio. StĂŒck pro Jahr verdoppeln. Laut dem Verband österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) gab es im Jahr 2025 insgesamt 36 grĂ¶ĂŸere Brandereignisse in Österreichs Entsorgungs- und Recyclingbetrieben, wo in mehreren FĂ€llen falsch entsorgte Lithium-Batterien und -Akkus als Brandursache vermutet werden.

Appell an die Bevölkerung: Jeder Beitrag zÀhlt

„Die Abfallwirtschaft ist eine tragende SĂ€ule unseres Wirtschaftssystems, entwickelt sich konsequent in Richtung Kreislaufwirtschaft weiter und leistet einen wesentlichen Beitrag zum Ressourcen- und Klimaschutz. Um die FunktionsfĂ€higkeit dieser wichtigen, insbesondere von regionalen und kleinen Betrieben geprĂ€gten Infrastruktur zu gewĂ€hrleisten, ist die fachgerechte Entsorgung von Batterien von entscheidender Bedeutung“, unterstreicht Umweltminister Norbert Totschnig die fundamentale Bedeutung der Entsorgungsbranche.

Der Minister hatte bereits im Rahmen des Runden Tisches Batterien am 25. September 2025 zu einer ganzheitlichen, breit getragenen Öffentlichkeitskampagne aufgerufen, um der steigenden Brandproblematik wirksam zu begegnen. In enger Zusammenarbeit mit den beteiligten Akteurinnen und Akteuren wurde daraufhin die FortfĂŒhrung und Weiterentwicklung der Kampagne „Her mit Leer“ als gemeinsamer Schritt vereinbart.

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Totschnig sieht zudem eine dringende Notwendigkeit, das Bewusstsein in der Gesellschaft zu schĂ€rfen: „Wir mĂŒssen die Brand-Thematik noch stĂ€rker im Bewusstsein der Bevölkerung verankern. Jede BĂŒrgerin und jeder BĂŒrger sollte dazu beitragen, dieses Risiko zu minimieren, indem Batterien und Akkus konsequent an den dafĂŒr vorgesehenen Sammelstellen abgegeben werden.“

Mangelndes Bewusstsein und steigende Mengen

Elisabeth Giehser, GeschĂ€ftsfĂŒhrerin der EAK, legte aktuelle Zahlen vor: WĂ€hrend die Inverkehrsetzung von Lithium-Batterien im Jahr 2024 bereits bei rund 46,5 Prozent aller GerĂ€tebatterien lag, hinkt deren Sammelquote mit 13,3 Prozent aus erklĂ€rbaren GrĂŒnden deutlich hinterher (siehe dazu die Grafik am Ende des Dokuments). Wobei das vor allem auf die hohe Langlebigkeit von Lithium-Batterien von zumindest 5-8 Jahren (bei manchen GerĂ€ten, die selten genutzt werden, können sie weit ĂŒber 10 Jahre halten) zurĂŒckzufĂŒhren ist, so dass diese Batterien/Akkus erst deutlich zeitverzögert in den Entsorgungsstrom gelangen. „Das Risiko von BrĂ€nden steigt in Recycling-Betrieben und auf Sammelstellen durch den kontinuierlichen Zuwachs der Mengen an, insbesondere aber auch durch FehlwĂŒrfe im RestmĂŒll sowie in Papier- oder KunststoffbehĂ€ltern“, so Elisabeth Giehser. „Besonders gefĂ€hrlich ist das Unwissen darĂŒber, in welchen alltĂ€glichen Produkten diese Akkus verbaut sind. Neben bekannten AltgerĂ€ten, wie Powerbanks, Smartphones und Laptops, bergen auch ‚scheinbar harmlosere‘ GegenstĂ€nde, wie E-Vapes, blinkende Haarreifen, Earpods und Kinderspielzeug mit verbauten Akkus eine Brandgefahr in sich. Viele enthalten zudem oft noch Restenergie und sind keineswegs ‚leer‘, wenn sie weggeworfen werden. Das zeigen etliche Beispiele von BrandfĂ€llen in der Vergangenheit.“

Abfallwirtschaft: Sechs BrÀnde pro Tag

FĂŒr die Entsorgungsbetriebe stellen die zunehmenden FehlwĂŒrfe eine wirtschaftliche Herausforderung dar. In Österreich brennt es in der Abfallwirtschaft statistisch gesehen bis zu sechs Mal pro Tag, wobei nicht jeder dieser BrĂ€nde auf Lithium-Akkus zurĂŒckzufĂŒhren ist. Zwischen dem Jahr 2012 und 2024 wurde nach Angaben des VOEB eine VerfĂŒnffachung der Brandereignisse verzeichnet. „Die Brandgefahr steigt durch falsch entsorgte Lithium-Batterien/Akkus massiv an. Wenn ein solcher Akku im MĂŒllauto oder in der Sortieranlage zerdrĂŒckt bzw. mechanisch beschĂ€digt wird, kann es zum sogenannten ‚thermischen Durchgehen‘ (Thermal Runaway) kommen – einer Kettenreaktion, durch die sich die Temperatur konstant erhöht, bis es zur SelbstentzĂŒndung kommt“, erklĂ€rt Berthold Kren, Segmentleiter Österreich der Saubermacher Dienstleistungs AG. Im RestmĂŒll finden diese Akkus ideale Brennbedingungen: Leicht entzĂŒndliche Stoffe und große Abfallmengen lassen kleine Funken sofort zum unkontrollierbaren Brandherd werden.

Feuerwehr warnt vor unberechenbarer Gefahr

Wie unberechenbar die Situation fĂŒr EinsatzkrĂ€fte ist, verdeutlichte das Live-Experiment des Bundesfeuerwehrverbandes. Martin Mittnecker, Referatsleiter fĂŒr vorbeugenden Brandschutz, koordinierte die VorfĂŒhrung: „BrĂ€nde dieser Art entzĂŒnden gewaltige Abfallmengen. Die BekĂ€mpfung ist langwierig und kann mehrere Tage beanspruchen. Problematisch ist dabei nicht nur der hohe Aufwand an Mannschaft, GerĂ€t und Sonderlöschmittel, sondern auch die erhebliche Schadstoffbelastung in der Luft ĂŒber einen langen Zeitraum. Zudem stellt das kontaminierte Löschwasser eine zusĂ€tzliche Belastung dar, da es aufgefangen und aufwendig entsorgt werden muss.“

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Berthold Kren warnt in diesem Zusammenhang zudem vor den ökonomischen Folgen nach einem solchen Brandfall: „Die SchĂ€den belaufen sich in Österreich bereits auf mehrstellige MillionenbetrĂ€ge. Das fĂŒhrt zu einem großen Problem mit Versicherungen: Viele Versicherungsanstalten erhöhen die PrĂ€mien drastisch oder steigen ganz aus, da die Schadenssummen nicht mehr kalkulierbar sind. Das ist ein enormes Risiko fĂŒr die gesamte Recycling-Infrastruktur. Saubermacher, österreichweit fĂŒhrend in der Batteriesortierung, hat am Kompetenzstandort PremstĂ€tten umfassend in Brandschutzeinrichtungen investiert – zur sicheren Annahme, Sortierung und Lagerung aller Arten von Batterien und zum Schutz der Mitarbeiter:innen.“

Gemeinsame Verantwortung fĂŒr eine sichere Abfall- und Kreislaufwirtschaft

Um das Brandrisiko nachhaltig zu minimieren und die österreichische Abfallwirtschaft zu schĂŒtzen, ist ein BĂŒndel an Maßnahmen unumgĂ€nglich. Neben einer verstĂ€rkten Öffentlichkeitsarbeit zur Sensibilisierung der Bevölkerung fĂŒr die Gefahren falsch entsorgter Lithium-Batterien braucht es klare regulatorische Rahmenbedingungen, wie beispielweise ein Verbot von Einweg-E-Zigaretten, das voraussichtlich Ende 2026 in Kraft treten soll.

„Wir stehen vor einer Herausforderung, die wir nur gemeinsam bewĂ€ltigen können“, resĂŒmiert Elisabeth Giehser. „Es braucht einen Schulterschluss zwischen Politik und Wirtschaft sowie die aktive Mithilfe der Bevölkerung. Nur wenn wir Batterien und Lithium-Akkus als wertvolle, zugleich aber potenziell gefĂ€hrliche Ressourcen verstehen und konsequent richtig entsorgen, gewĂ€hrleisten wir einen sicheren Betrieb unserer Entsorgungsinfrastruktur und vermeiden Risiken fĂŒr Mensch und Umwelt.“, so Bundesminister Totschnig abschließend.

Quelle: OTS

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