BFV Liezen: Pressekonferenz in Stein/Enns

Bilanz der Katastrophenhilfsmaßnahmen

Am 25.08.2010 fand in Stein an der Enns eine Bilanz-Pressekonferenz bezüglich der Katastrophenhilfsmaßnahmen in Stein an der Enns und dem Kleinsölktal statt. Den Fragen der Presse stellten sich neben den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden die Landesräte Johann Seitinger und Dr. Christian Buchmann, die Landtagsabgeordneten Odo Wöhry und Karl Lackner sowie Bezirksfeuerwehrkommandant-Stellvertreter Heinz Hartl und Abschnittsfeuerwehrkommandant Gerd Bartl.

Zusammenfassend einige der wichtigsten feuerwehrspezifischen Eindrücke aus den Wortmeldungen aller Redner:

LAbg. Bgm. Karl Lackner, Gemeindebund-Bezirksobmann

"Ein großer Dank im Namen aller Bürgermeister insbesondere an die Freiwilligen Feuerwehren für deren vorbildhafte Leistungen"

Landesrat Johann Seitinger

"Ich war selbst drei Mal im Krisengebiet und habe mich vor Ort von der hochprofessionellen Arbeit der Einsatzkräfte überzeugen können". Den 17. Juli 2010 werde die Bevölkerung hier niemals vergessen, wahrlich "Weltuntergangsstimmung" machte sich breit, eine "Verwüstung des gesamten Tales" war die Folge von einer Niederschlagsmenge in vier Stunden, die jener eines Quartales entspricht. Im ganzen Abschnitt heulten die Sirenen, ein wahrlicher "Blitzkrieg des Wassers".

400.000 m³ Geröllmassen verschütteten den Talboden, das entspricht etwa 60.000 LKW-Fuhren, 40.000 Festmeter Holz wurden ins Tal gespült, 13 Brücken zerstört, 2 km Straße weggerissen, 10-12 km Straße unbefahrbar gemacht, bis dato wurden 50.000 m³ Geröllmassen beseitigt, mit bis zu 27 Baggern. Zahlreiche Häuser seien abbruchreif, 154 ha Almflächen massiv zerstört, die Futtergrundlage für 460 Tiere und dazu haben viele Bauern Grund und Boden durch unrevitalisierbare Zerstörungen verloren.

Von 28 Feuerwehren wurden in der Erstphase ca. 8.600 unbezahlte Einsatzstunden geleistet. Die Katastrophe hätte eindrucksvoll gezeigt, welch wertvolle und unverzichtbare Arbeit die Feuerwehrfrauen und -männer für die Sicherheit des Landes leisten, teilweise sogar unter Einsatz ihres eigenes Lebens.

Am 28. September wird das Sperrgebiet aufgehoben, binnen eines Monats sollen die Arbeiten für die Großmaschinen abgeschlossen sein. Als Erkenntnisse aus der Katastrophe erläuterte Seitinger: "Die Natur ist stärker als jedes menschliche Maß es errechnen kann", die Verdichtung und Ergiebigkeit von Naturkatastrophen nehme zu, Konsequenzen in der Raumordnung seien zu ziehen und der Bau von Schutzbauten voranzutreiben. In den letzten 10 Jahren seien jedes Jahr über 100 Mio. Euro für Naturkatastrophen seitens des Landes Steiermark aufzubringen gewesen, alleine 570 Mio. Euro im "Super-Katastrophenjahr 2009".

Landesrat Dr. Christian Buchmann

Wichtig sei nun der transparente und v.a. treffsichere Einsatz von Finanzmitteln. Als erste Maßnahme hat LR Buchmann Mittel in der Höhe von 2,4 Mio Euro als Ferialverfügung zur Verfügung gestellt, den Rest werde der Landtag im Herbst (hoffentlich) beschliessen. Alleine 500.000,- für Brücken, 420.000,- für Wildbach- und Lawinenverbauung. In Summe werden 15 Mio. Euro notwendig sein, davon 9 Mio. Euro seitens des Landes. LR Buchmann bedankte sich ebenso wie LR Seitinger bei allen beteiligten Einsatzorganisationen.

Auch die Bürgermeister zeigten sich bewegt von der Katastrophe und den Leistungen der Freiwilligen. Bürgermeister Albert Holzinger: "Ich bin tief beeindruckt von der Professionalität der Freiwilligen Feuerwehren von der ersten Minute weg, von der Einsatzleitung, welche sofort alle notwendigen Kontakte zu den Behörden aufgebaut hat und absolut professionell an die Abarbeitung der vielen Schadenslagen herangegangen ist".

Ein großer Dank erging von ihm v.a. in Richtung HBI a.D. Werner Schwab, der die Einsätze vom Rüsthaus Stein an der Enns aus koordinierte. Bürgermeister Hannes Huber (Pruggern) bedankte sich für die Trinkwasserversorgung durch 10 Tanklöschfahrzeuge seitens Feuerwehren aus dem ganzen Bezirk - 3 Tage lang lieferten diese von Gröbming aus Wasser nach Pruggern. Der Vizepräsident der steirischen Landwirtschaftskammer, ÖR Johann Resch: "Es ist nicht vorstellbar, müsste die Arbeit der Freiwilligen bezahlt werden".

Brandrat Heinz Hartl, Bezirksfeuerwehrkommandant Stv.

"Am 17. Juni 2010, dem Tag der Katastrophe, waren 61 von 96 Feuerwehren des Bezirkes im Unwettereinsatz, ein großer Dank gilt aber auch den Zivildienern am Florian Liezen, welche mit der Abarbeitung der vielen Einsatzstellen erst einmal fertig werden mussten". Er wies auf die Problematik hin, dass künftig immer weniger Zivildiener für diese wichtige Aufgabe zur Verfügung stünden. Am Sonntag standen immerhin noch 30 Feuerwehren im Einsatz.

In Summe leisteten 61 Feuerwehren mit 750 Mann etwa 17.000 Mannstunden. Mit einem Facharbeiterlohn von EUR 35,- multipliziert ergäbe dies eine Summe von 600.000,- Euro. Ereignisse wie diese zeigten, wie wichtig und unverzichtbar jede noch so kleine Feuerwehr ist. Die schlagkräftige Organisationsform der Freiwilligen Feuerwehr sei geradezu prädestiniert, v.a. in der Erstphase solcher Schadensereignisse mit ihren Personalresourcen schnell zu helfen. Es sei aber bedenklich, daß durch die zunehmende Bevölkerungsabwanderung in Ballungsräume vermehrt auch Feuerwehren vor großen Herausforderungen hinsichtlich Rekrutierung von Kräften stehen.

Sachwerte in der Höhe von 1,3 Mio. Euro wurden seitens Feuerwehr in diesen Tagen gerettet. Für BR Hartl ist es wahrlich ein Glück und ein Wunder, daß es hinsichtlich der gewaltigen Katastrophe zu keinen Personenschäden kam.

Quelle: BFV Liezen