Großübung in Entsorgungsbetrieb – 300 Einsatzkräfte übten den Ernstfall

Großübung in Entsorgungsbetrieb - 300 Einsatzkräfte übten den Ernstfall 1

Ortschaft Wiesen (Gemeinde Pinsdorf)

Die Vorgeschichte
Dienstag, 13. April 2010. In den Abendstunden kam es im Recyclingunternehmen Vorwagner (Höller Gruppe) zu einem Chemieunfall, dessen Schwere sich an der Anzahl der verletzten Personen widerspiegelte. 21 Personen, darunter eine große Anzahl an Einsatzkräften, wurden bei einem Einsatz verletzt. Eine chemische Reaktion zwischen bromhaltigen Medikamenten und verschiedenen Arzneimitteln führte zu starker Rauchentwicklung, welche anfangs als Brandrauch vernommen wurde.

Neuer Alarmplan und schärfere Kontrollen
Nach dem Unfall wurde seitens des Landes der Betrieb auf alle Lagersubstanzen geprüft und die dafür nötigen Auflagen erteilt. Seitens der Einsatzkräfte wurde mit den Behörden ein neuer Alarmplan ausgearbeitet, welcher in Zukunft verhindern soll, dass nochmals eine große Anzahl an Personen verletzt wird. Eine chemische Reaktion verschiedener Stoffe kann nie ausgeschlossen werden, daher besteht immer die Gefahr eines neuerlichen Einsatzes in diesem Spezialunternehmen.

Einsatzübung mit Evakuierung der Anwohner
Samstag, 25. Juni 2011. Knapp ein Jahr nach der Chemie- Katastrophe mit 21 verletzten Personen fand im Entsorgunsunternehmen Vorwagner (Höller Gruppe) eine Einsatzübung mit Einsatzkräften von Feuerwehr, Rettung, Bundesheer, dem  Krankenhaus Gmunden und Behördenvertretern statt. Auch die Bevölkerung wurde in diese Übung mit eingebunden, da ein Ernstfall jederzeit eintreten kann und man nicht vor unlösbare Tatsachen gestellt werden möchte.

Brandmeldealarm zum Übungsbeginn
Pünktlich um 14:00 Uhr wurde die Freiwillige Feuerwehr Wiesen zu einem Brandmeldealarm alarmiert. Nach kurzer Zeit traf das erste Fahrzeug der FF Wiesen am Einsatzort ein. Einsatzleiter HBI Thomas Dreiblmeier erkundete die Lage und stellte fest, dass ein Lkw welcher mit gefährlichen Stoffen beladen war in Brand geriet und sich dieser auf das Zwischenlager sowie das Bürogebäude ausbreitete. Unverzüglich wurde laut Sonderalarmplan die Alarmstufe 1 ausgelöst. Dies bedeutet zu diesem Zeitpunkt, dass die Feuerwehren der Gemeinde Pinsdorf (Wiesen, Pinsdorf & Hatschek) sowie das Stützpunktfahrzeug für Gefährliche Stoffe und ein Atemschutzfahrzeug alarmiert werden. Weiteres wurde das Rote Kreuz sowie die zuständigen Behörden alarmiert.

Behördenstab mit eingebunden
Die Einsatzleitung der Behörde wurde im Feuerwehrhaus Wiesen eingerichtet. Alle Einsatzdetails wurden per Funk bzw. Telefon an die Verantwortlichen weitergeleitet. Bürgermeister Dieter Helms leitete den Behördenstab und wurde über jeden Schritt am Einsatzort informiert bzw. lies er weitere Schritte durchführen.

Zivilschutzalarm und Evakuierung der Bevölkerung
Am Einsatzort überschlugen sich derweilen die Geschehnisse bzw. weitere Alarmierungen. Unterstützt von der Polizei fuhren Fahrzeuge durch die angrenzenden Ortschaften und teilten den Bewohnern mit, Fenstern und Türen zu schließen. In weiterer Folge wurden rund 70 Personen in die Bezirkssporthalle Gmunden evakuiert. Dabei unterstützte das Rote Kreuz diese und registrierte jeden Einzelnen. Eine eigene Dekontaminationseinheit stand ebenfalls zur Verfügung.

Mehrere Dekontaminationseinheiten vor Ort
Gleich drei Dekontaminationseinheiten wurden im Laufe der Übung und durch die Alarmierung der Alarmstufe 2 und in weiterer Folge durch Alarmstufe 3 aufgebaut. Dies bedeutete das 19 Feuerwehren der umliegenden Gemeinden im Übungseinsatz standen. Der Deko- Zug der Berufsfeuerwehr Linz übernahm die Dekontamination der Einsatzkräfte, welche mit Schutzstufe 2 und 3 am Einsatzort in Dienst waren. Das Bundesheer (Dekozug Salzburg) und das Rote Kreuz errichtete bei der Zufahrt zum Übungsobjekt deren Deko- Einheit und übernahm die Dekontamination der verletzten Personen und in weiterer Folge die Erstversorgung. Insgesamt galt es 12 Verletzte zu versorgen und in die verschiedenen Landeskrankenhäuser zu bringen. Hierbei standen 9 Fahrzeuge aus den verschiedensten Dienststellen des Roten Kreuzes zur Verfügung. Die Einsatzkräfte der Feuerwehren zeigten unter erschwerten Bedingungen (Schutzstufe 2 bzw. 3 und Atemschutzgerät) höchste Leistungen und konnten alle gestellten Übungsaufgaben zu vollster Zufriedenheit erfüllen.

Wasserversorgung – Atemschutz – GSF
Die Wasserversorgung für die Einsatzkräfte beim Brand wurde über einen Löschbehälter am Firmenareal und über zwei Zubringerleitungen aus der Aurach sichergestellt. Diese wurde auf einer Länge von rund 3200 Meter errichtet. 14 Atemschutztrupps stellten sich in Schutzstufe 2 und 3 dem Einsatz. Die Versorgung und Koordinierung erfolgte von einem zentralen Atemschutzplatz aus. Das Atemschutzfahrzeug der BTF Steyrermühl stand hierbei im Einsatz. Die Überwachung und Anweisungen zur Bekämpfung der gefährlichen Stoffe wurde über das Gefährliche Stoffe Fahrzeug der FF Pettenbach abgewickelt.

Nach rund 2,5 Stunden konnte die Einsatzleitung die Meldung an alle Teilnehmer verkünden, dass alle Übungsziele erfolgreich abgearbeitet wurden. Im Anschluss bauten alle Teilnehmer der Großübung ihren Einsatzbereich ab und verließen die Einsatzstelle.

Übungsbeobachter äußerst zufrieden
Zahlreiche Übungsbeobachter zogen im Anschluss ein äußerst positives Resümee über den Ablauf der Übung.

Großflächiges Teilnehmerfeld
Insgesamt nahmen an der Einsatzübung rund 300 Einsatzkräfte teil. Aufgeteilt auf 182 Mitglieder der Feuerwehren, 105 Rot Kreuz Mitarbeiter, 10 Bundesheerbedienstete und 4 Mann der Polizei.

Ein Dank ergeht an alle Teilnehmer der Rettungsorganisationen sowie an die Anwohner rund um den Entsorgungsbetrieb Vorwagner (Höller Gruppe). Für die Verpflegung aller Teilnehmer stand die Feldküche des Roten Kreuzes zur Verfügung.

Quelle: BFK Gmunden
http://www.bfk-gmunden.at/

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