FF Wiener Neudorf: Jahresbilanz 2020 der Feuerwehr

Auch für die Freiwillige Feuerwehr Wiener Neudorf wird das Jahr 2020 als ein besonderes Jahr in ihre fast 150-jährige Geschichte eingehen. Allein die Reduktion der Gesamteinsatzzahl im Vergleich zum Vorjahr um nahezu 20 % lässt erkennen, dass dieses Jahr ein Besonderes war.

Feuerwehrkommandant Walter Wistermayer blickt zurück: „Nach Erhalt der ersten Covid-19-Dienstanweisungen des Niederösterreichischen Landesfeuerwehrverbandes am 10. März standen wir vor einer völlig neuartigen und außergewöhnlichen Situation.

Gerade zu Beginn der Krise konnten wir auf keine Erfahrungswerte zurückgreifen. Durch die notwendige Reduzierung der gemeinsamen Aktivitäten gelang es uns, die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr in keiner Phase der Pandemie zu gefährden. Mein Ziel war es, Entscheidungen rasch und effizient zu treffen – um nicht nur meine Kameraden, sondern auch deren Familien zu schützen.“

Niedrige Einsatzzahlen

Im Vorjahr rückten die ausschließlich freiwilligen Mitglieder der Feuerwehr Wiener Neudorf zu 428 Einsätzen aus. Die geringeren Alarmierungen stehen selbstverständlich zu einem großen Teil in direkter Verbindung mit den durch die Pandemie getroffenen Maßnahmen. Langeweile kam aber für das 108-köpfige Team dennoch nicht auf.

So konnten im vergangenen Jahr 24 Personen und 14 Tiere gerettet oder aus Notlagen befreit werden. Zusätzlich sorgten die in Wiener Neudorf stationierten Sonderfahrzeuge samt den vorhandenen Fachkenntnissen für knapp 25 überörtliche Anforderungen.

Feuerwehrkommandant Wistermayer verrät: „Wir haben uns letztes Jahr auch bewusst dazu entschieden, alle aufschiebbaren Wespennestentfernung nicht mehr durchzuführen, sondern Anrufer an Fachfirmen zu verweisen. Dies sorgte zusätzlich für eine Entlastung der ehrenamtlichen Mitglieder“.

Großeinsätze blieben nicht aus

Trotz der zahlenmäßigen Reduktion der Einsätze blieben spektakuläre und große Einsätze nicht aus. So hielten mehrere Brände im Industriezentrum Niederösterreich Süd (IZ Nö Süd), Geschäfts- und Werkstättenbrände, zahlreiche Fahrzeugbrände aber auch Zimmer- und Wohnhausbrände die Mannschaft auf Trab.

Auch am Schadstoffsektor wurde im Vorjahr mehrmals auf Spezialwissen aus Wiener Neudorf gebaut. So galt es z.B. nach dem Brand eines Elektrofahrzeuges richtig zu handeln, Betriebsmittel nach der Kollision eines Zuges mit einem Lkw abzupumpen oder nach Unfällen mit Schadstoffen im IZ Nö Süd Gefahren zu beseitigen.

Obwohl coronabedingt der Straßenverkehr messbar weniger wurde, rückte die Feuerwehr Wiener Neudorf 2020 zu 151 Interventionen nach Verkehrsunfällen aus. Dabei erstreckte sich das Einsatzspektrum vom einfachen Auffahrunfall bis hin zum schweren Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang.

Definitiv neu waren im Vorjahr die Schutzvorkehrungen im Feuerwehrhaus und bei sämtlichen Einsätzen. So wurde ab März nahezu kein Einsatz mehr ohne Schutzmaske, Einweghandschuhen und griffbereitem Einwegoverall abgearbeitet. Auch die Rettung einer an Covid-19 erkrankten Person mit Hilfe der Drehleiter ging als Premiere in die Feuerwehrgeschichte ein.

Erneuerung im Fuhrpark

Das bereits vor mehreren Jahren gemeinsam mit der Gemeinde Wiener Neudorf gestartete Fahrzeugkonzept, welches die Modernisierung des Fuhrparkes zum Ziel hat, konnte mit der Indienststellung eines neuen Abschleppfahrzeuges (ASP) fortgeführt werden.

So wurde ein neues, speziell auf die Bedürfnisse der Autobahnfeuerwehr angepasstes ASP, auf Basis eines Mercedes Benz Econic im Herbst in den Dienst gestellt. Das Spezialfahrzeug wurde durch die Firma Eberl aufgebaut und bietet nun Platz für insgesamt vier Feuerwehrmänner. Seither stellen immer größer und schwerer werdende Unfallfahrzeuge kein Problem mehr bei der Bergung für die ehrenamtlichen Kräfte dar.

Ende Oktober konnte auch noch die europaweite Ausschreibung eines Großtanklöschfahrzeuges (HLF 4) beendet und nach einstimmigem Gemeinderatsbeschluss beauftragt werden. Erste Detailbesprechungen mit der Aufbaufirma (Rosenbauer) fanden dazu bereits online statt.

Reduktion des Gemeinsamen

Besonders ungewöhnlich war das vergangene Jahr aber in Punkto Gemeinschaft: Zahlreiche Schulungen, Übungen oder Fortbildungen fanden nur mit geringer Teilnehmerzahl statt oder mussten gänzlich abgesagt werden. Diese Maßnahmen trafen leider zu einem großen Teil die wichtige Nachwuchsarbeit – nahezu das gesamte Jahr der Feuerwehrjugend fiel aus, auch die in den Aktivstand überstellten Mitglieder hatten wenig Chance, wichtige Ausbildungen zu absolvieren.

Darüber hinaus mussten die bei der Bevölkerung beliebten Feuerwehrfeste (z.B. der Punschstand vor Weihnachten) abgesagt werden.

Sehr ungewohnt war 2020 auch, dass das Feuerwehrhaus viele Wochen nur noch für unaufschiebbare Tätigkeiten oder nach der Alarmierung zu Einsätzen betreten werden durfte – es gilt seit jeher als zentraler Treffpunkt und als Basis für die Kameradschaft innerhalb der „Feuerwehrfamilie“.

Massentest und Erdbeben

Auch das Jahresende hatte noch einige Überraschung parat: so unterstützte die Freiwillige Feuerwehr nicht nur erstmalig einen Massentest in Wiener Neudorf, sondern transportierte auch die dafür benötigte Schutzausrüstung in den Bezirk Mödling. Danach stand das Wechselladerfahrzeug mit zwei Wiener Neudorfer Feuerwehrmännern im Zuge des internationalen Hilfseinsatzes nach dem schweren Erdbeben in Kroatien im Dienst. Auch dieser Einsatz konnte kurz vor dem Jahreswechsel erfolgreich beendet werden.

Zuversichtlich in das Jahr 2021

Voller Zuversicht blickt die Mannschaft dem kommenden Jahr entgegen. So steht bereits Ende Jänner mit der Wahl eines neuen Feuerwehrkommandos eine richtungsweisende Entscheidung an. Zusätzlich freut man sich bereits jetzt darauf, das neue Großtanklöschfahrzeug in den Dienst zu stellen. Besonders groß sind aber die Erwartungen, wieder ein normales kameradschaftliches Miteinander erleben zu können. In diesem Sinne ergeht auch die Bitte an die Bevölkerung, die gebotenen Hygienemaßnahmen einzuhalten.

Quelle: Pressestelle FF Wiener Neudorf, LM Lukas Derkits